Stolpersteine und andere Glückseeligkeiten

Hallo Welt!

Stolperstein sind ein Ärgernis. Ihr bloßes Dasein kann uns in einem unachtsamen Moment zu Fall bringen. Mit unter fallen wir tatsächlich, schlagen hart auf und tragen Blessuren davon. Zwar erholen wir uns meist davon, dennoch beschleicht uns das Gefühl, dass dies überflüssig war. Auch die Frage nach dem Verursacher, dem wir am liebsten all unsere Wut entgegenschleudern möchten, stellt sich uns. Gut, wenn in diesem Moment keiner zugegen ist, der unsere Wut zu spüren bekommt. Denn dies kann auch unschuldige treffen. Ich gehe an dieser Stelle einmal soweit und behaupte: es wird unschuldige treffen und dies wäre in zweifacher Hinsicht ungerecht.

Das Leben, so kennen es viele, hält viele Überraschungen für uns bereit. Und die Form in der das Leben uns diese Überraschungen serviert, sind Stolpersteine.

Stolpersteine in ihrer physischen Form und aber auch und sogar meistens in übertragener Form.

Das blöde an Stolpersteinen ist der Überraschungsmoment, der ihnen inne wohnt. Wie aus heiterem Himmel stolpern wir, geraten ins Wanken, ins Straucheln, beginnen mit den Armen zu rudern und wirken in unserer uns eigenen Theatralik oft dem eines Ertrinkenden.

Doch – wir fangen uns. Wir fangen uns und finden unsere Balance wieder.

Die Zeit, die wir benötigen um unsere Balance wieder zu finden variiert. Im Falle eines physischen Stolpersteines kann dies nur ein kurzer Moment sein. Solange wir uns bei unserem Stolperer nichts gebrochen haben. Denn dann kann dies lange dauern und auch sichtbare Spuren dauerhaft hinterlassen.

Die emotionalen Stolpersteine sind da etwas anderes. Bis sich die emotionale Balance wieder eingestellt hat, kann viel Wasser die Flüsse dieser Welt hinunterfließen.

Dies mag zum einen an unseren Gewohnheiten liegen, zum anderen aber auch an unserem seltsamen Umgang und unserem überaus seltsamen Verhältnis mit und zur Schuld.

Wir alle leben in Gewohnheiten. Wir alle leben in Schleifen, die sich tagtäglich wiederholen. Diese mögen zum Beispiel so aussehen: der Wecker klingelt, wir stehen auf, gehen zur Arbeit, kommen nach Hause, schauen etwas Fernsehen und gehen ins Bett. Der Wecker klingelt, … .

Ja, ich weiss. Dies ist etwas sehr vereinfacht, gerade zu beleidigend stereotypisch dargestellt. Und ja, alle, die diesen Beitrag lesen sind selbstverständlich davon ausgenommen und deren Tagesablauf gleicht in kleinster Weise dem zuvor beschriebenen. Zu keiner Zeit.

Dennoch möchte ich es als Beispiel so stehen lassen. Den mir geht es an dieser Stelle auch nur darum solch eine Gewohnheit, solch eine Schleife darzustellen.

Wie gesagt! Das Leben nimmt seinen gewohnten Gang in ähnlichen tagestypischen Schleifen. Gleichsam eines Schlafwandlers bewegen wir uns durch den Tag und durch die Nacht. Wir denkt uns nichts böses. Und auf einen Schlag hin ist alles anders. Unsere geliebte, gewohnte Schleife bekommt eine ziemlich große Delle.

Dies mag zum Beispiel geschehen, wenn uns unser Partner mit dem wir alle Serien von Games of Throns, Grays Anatomie und Gute Zeiten, schlechte Zeiten von der ersten Staffel an gesehen haben, erklärt das er uns verlassen möchte. Games of Throns, könne doch nicht der gesamte Lebensinhalt sein. Doch – denken wir – und da setzt auch schon die Erkenntnis ein, die sich hinter diesen Worten verbirgt. Die kalte Angst des Verlassenwerdens erfasst uns, die Panik und die Wut kochen hoch.

Und anstatt inne zu halten, die Situation zu überdenken, sehen zu wollen was unser Teil an der Entwicklung ist, lassen wir unserem Panikmodus freien Lauf. Dieser archetypische Kerl sucht umgehend ein Ziel und projiziert unser Unvermögen auf unser auserkorenes Opfer.

So sind wir in zweifacher Weise ungerecht.

Und wir werden mit unter selbst zu einem Stolperstein.

Doch es braucht im Leben auch diese Stolpersteine. Sie bilden auch den Grundstein für etwas ganz Neues. Etwas, wovon wir vielleicht schon immer geträumt haben. Sie helfen uns, uns zu entwickeln und sind somit auch wichtige Wegbereiter für unsere Entwicklung.

Eine Zwischenbilanz zu ziehen, kann gelingen nach dem uns Stolpersteine aus unserem Trott gebracht haben. So bieten sie die Möglichkeit inne zu halten, Bilanz zu ziehen und sich gegebenenfalls neu auszurichten.

Es ist unsere Angst loszulassen. Unsere Angst vor Veränderung und unser fehlender Mut neue Wege zu gehen, der Stolpersteine notwendig macht. Und das Gefühl, der Eindruck, dass dies aus heiterem Himmel passieren würde, mag sich daraus ergeben, dass wir die Zeichen der Zeit vielleicht nicht rechtzeitig gesehen haben. Oftmals nehmen wir die Veränderung um uns herum nicht frühzeitig war und dann wirft uns das Leben einen Stolperstein vor die Füße.

Bei Hesse heißt es: „Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.“ Und gleichzeitig gibt es das Versprechen, das jedem Anfang inne wohnender Zauber uns beschützt und uns zu leben hilft.

Unsere Seele darf verwundet sein. Gar keine Frage. Aber das war es dann auch schon. Wir sollten uns darauf besinnen, das eine neue Stufe erreicht ist. Und auch wenn wir dabei noch vorsichtig um die Ecke blicken, so sollte unser Blick doch stets vorwärts gewandt sein, in dem Vertrauen darauf, dass uns Unterstützung gegeben ist.

Je schneller wir das schaffen, desto weniger Energie lassen wir in unserer Trauer um die Vergangenheit und können sie nach vorne richten.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

Nachdem wir nun so viel über Stolpersteine gesprochen haben, darf hier nicht das Kunstprojekt Stolpersteine des Bildhauers Gunter Demnig vergessen werden. Es handelt sich hierbei um das weltweit größte dezentrale Mahnmal, welches an die während des Nationalsozialismus deportierte und ermordete Juden und andere Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Diese Stolpersteine dienen der Würdigung der Opfer und der Erinnerung an sie. An diesem Beispiel zeigt sich eine weitere Bedeutung von Stolpersteinen.

Nun wünsche ich Euch viele Stolpersteine, während ihr heiter Raum um Raum durchschreitet. Denn: jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, …

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