Kommunikation 2.0

Hallo Welt!

Wer kennt sie nicht, die alte Form der Kommunikation?

Es gab da einmal eine Zeit, in der die Menschen miteinander gesprochen haben. Von Angesicht zu Angesicht. So zusagen die analogste Form der Kommunikation. Neben dem gesprochenen Wort wurde durch Mimik, Gestik und Körperhaltung mehr Informationen übermittelt, als der Inhalt des gesprochenen Wortes alleine vermochte. Man sah sich an, als man miteinander sprach und hörte sich zu. Es war persönlich und kostete mitunter Zeit bis das gesprochene Wort den Anderen in der Weise erreicht hatte, wie man es gemeint hatte.

Zur Informationsübertragung auf größere Entfernungen brachte man die Worte zu Papier, und Boten überbrachten die Briefe an die Adressaten.

Hier ist schon zu erkennen, dass Mimik, Gestik und Körperhaltung auf der Strecke blieben. Dennoch vermochte der Schreibende, durch die richtige Wortwahl, den Schreibstil und die Schrift selber, wiederum mehr als nur das Wort alleine zu übermitteln.

Dennoch kam und kommt es auf diesem Weg zu Missverständnissen über das, das geschrieben steht und das, was nicht geschrieben steht. Die Kunst des Lesens zwischen den Zeilen ist die Folge daraus. Die Möglichkeit der direkten Nachfrage ist in Briefen schon nicht mehr gegeben.

Die Gleichschaltung der Lettern in der privaten Kommunikation erfolgte mit der weiteren Verbreitung von Personalcomputer im privaten Bereich und der Möglichkeit, die darin geschriebenen Briefe in eigenen Druckern auszudrucken. Gleichzeitig verbreitete sich die Email im privaten Bereich.

So gesehen könnte die Email auch als Sprungbrett in eine rein digitale Form der privaten Kommunikation betrachtet werden.

Im Grunde, so könnte man meinen – alles nicht so schlimm.

Dennoch haben wir uns von der direkten zwischenmenschlichen Begegnung immer mehr entfernt. Schon an diesem Punkt verwundert es inzwischen nicht mehr, dass Paare, die um einen Couchtisch herum sitzen sich gegenseitig Emails versenden, um den Partner auf sich aufmerksam zu machen. Alles schon passiert.

Ich sprach von der Gleichschaltung der Lettern.

Die Individualität, die handschriftlich verfassten Briefen inne wohnt, ist durch die maschinelle Gestaltung von Briefen auf der Strecke geblieben. Damit aber auch der Informationsgehalt, der diese Individualität transportiert hat. Die Kommunikation ist wieder ein kleines bisschen ärmer geworden.

Zwischenzeitlich läuft die Kommunikation über WhatsApp, Twitter, Email und andere rein digitale Kommunikationswege.

Ich will gar nicht bestreiten, dass diese Formen der Kommunikation nicht auch ihren Reiz und ihr Gutes haben. Dennoch gibt es auch weitreichende Nachteile.

Hat man sich früher Gedanken gemacht, was man jemandem mitteilen möchte, läuft man heute Gefahr, schnell über das Ziel zu schiessen. Neue Abkürzungen werden erfunden, da das Tippen der Wörter zu aufwendig ist, Artikel werden weg gelassen und die Sprache beginnt zu verkommen. Die ist ein Umstand, der sich auch im zwischenmenschlichen Sprachgebrauch wiederspiegelt.

Haben wir uns früher direkt und persönlich ausgetauscht, so ist es heute in dieser scheinbaren Anonymität der unpersönlichen Informationsübermittlung mittels genormter Lettern ganz schnell passiert, dass eine Mitteilung raus geht, die hinterher bereut wird. Neben den sich daraus ergebenden Verstimmungen zwischen Menschen, hat die Welt neue Begriffe erfinden müssen, falls Mitteilungen auf eine breite Masse Menschen trifft, die daraufhin tsunamiähnlich mit Texten reagieren. Hier entstand zum Beispiel das schöne Alt-deutsche Wort: shitstorm. Doch an dieser Stelle genug der Anglizismen.

Der Mensch wird überrannt von der Geschwindigkeit der Möglichkeiten.

Das Beitragsbild zeigt öffentlich zugängliche Postfächer in Hobart/Australien. Es zeigt sich schon hier die Unpersönlichkeit der Sprache. Praktisch, quadratisch, abschließbar. Aber keine Sorge auch deutsche Briefkästen sind nicht schöner. Nun aber stellt Euch vor – Ihr würdet nichts sehen. Das wäre dann digital.

Auch auf die Gefahr hin mich jetzt zu outen, ich bin ein Verfechter der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, von Herz zu Herz. Nehmt die Wege auf Euch, Euer Gegenüber persönlich zu treffen und zu sprechen. Zusammen zu weinen und zusammen zu lachen, zu diskutieren, zu streiten, das ist es, was Menschsein ausmacht. Zivilisiert zu sein und modern, im heutigen Sinn, heißt die Höhen und Tiefen, die Breite und Weite menschlichen Seins nicht zu vergessen, und darüberhinaus tut es jedem Kamel gut, auch mal durchs Nadelöhr zu gehen.

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2 Kommentare

  1. Schöner Beitrag, wahre Gedanken. Aaaaber: ohne digitale Kommunikation hätten wir beide z.B. uns nicht näher kennen gelernt, wären vermutlich nicht mehr im Kontakt und Austausch. Und vor allem, könnten dem anderen nicht mal schnell zwischendrin signalisieren, dass wir an ihn denken, ihn bei uns haben in Gedanken und Gefühlen. Es ist zwar etwas Wertvolles verloren gegangen, wir haben aber auch etwas Wertvolles gewonnen!

    1. Stimmt! Ich habe auch nicht behauptet, dass es eine in jeglicher Hinsicht negative Entwicklung ist. Dennoch geniesse ich unseren telefonischen Kontakt mehr. Auch das Eintippen der Nachrichten erschwert meines Ansicht nach den regen Austausch. Für kurze Gedanken super. Eben mal vorbeikommen und quatschen fällt leider auf Grund der Entfernung von 650 km aus. Wäre mir aber am liebsten.
      Ich glaube, ich schreibe Dir mal einen handgeschriebenen Brief und wir erproben diese Form der old school Kommunikation (mit Duftwasser).
      Danke für den Beitrag.

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